Dank Alfred Rauh klappert nach 70 Jahren wieder ein Handwebstuhl in Kleinschwarzenbach

   

Einweihung des historischen Handwebstuhls in Kleinschwarzenbach am 17.08.2017  (Bilderstrecke siehe unten) 

Alfred Rauh (Zweiter von links) hat einen Webstuhl aus dem 19. Jahrhundert in mühevoller Kleinarbeit wieder zum Leben erweckt.

Es ist geplant, einen Workshop zum Thema Handweben abzuhalten, um Interessierten einen Einblick in die Wurzeln

unserer Textilindustrie zu ermöglichen. Vielen Dank an die Firmen Wirth und Hohmann für die Unterstützung der Aktion.

                                                                                                                                                                                     

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Strohdachdecken Weberhaus Kleinschwarzenbach 23-25.06.2017:

 

Fr  9 Uhr                        Fr   9.15 Uhr                Fr    11 Uhr                         Sa   9 Uhr                  Sa    16 Uhr

  

                                                      Sa   18 Uhr                                                                                                          So  11 Uhr 

               Geschichte vom Adelhann, wie 1850 er sein Strohdach erneuert:   Download

          Di    11 Uhr  Geschafft !                        

Bilderstrecke siehe unten

Zusammenarbeit mit dem Oberfr. Textilmuseum Helmbrechts

In Zusammenarbeit mit dem Oberfränkischen Textimuseum Helmbrechts wird momentan daran gearbeitet,

einen grossen funktionstüchtigen Handwebstuhl zusammen zu bauen. Gestiftet hat diesen Frau Fuchs aus Speichersdorf.

Neu: Schulaktion

Zu Besuch bei den alten Handwebern

Ein Wandertag kombiniert mit der

Besichtigung des alten Weberhäuschens

in Kleinschwarzenbach und dem Besuch

des Oberfränkischen Textilmuseums

Download nähere Infos

Von Webern Wadeln und Winterroggen

Frankenpost vom 05./06.11.1994

Von Webern, Wadeln und Winterroggen

"Des Heisla hodmer scho immer g´folln", sagt Edwin Greim. Es gehörte zu seiner Kindheit und Jugend in Kleinschwarzenbach wie Kartoffelfeuer und Weihnachtsstollen. Die grünen Fensterläden an den niedrigen Sprossenfenstern. Die schlichte Holztür, durch die man nur geduckt eintreten kann. Die finsteren Stallnischen hinten im Flur, wo die "Ziech" überwinterte, ab und zu auch ein Schwein. Die buckligen, weiß getünchten Wände in der "Stumm", wo der Ofen lunnerte, wo der Handwebstuhl klapperte, wo Spulrad und Spinnrad ihre gleichförmige Melodie sangen. Die "Hienerladder", die steil hinauf unters Strohdach führt. Dort stehen die einfachen Bettgestelle, ausgepolstert mit Stroh. Dort schliefen alle, zu zweit, oft zu dritt in einem Bett. Und wenn auch das Strohdach im Sommer ein einigermaßen erträgliches Klima ermöglichte, so war es doch in strengen Wintern eiskalt. Und in stürmischen Januarnächten, wenn die wilde Berta ihr Unwesen trieb, stob der Schnee durch die Ritzen, überzuckerte Betten und Truhen. Und Nasenspitzen.

Edwin Greim kannte sie noch, die "Peetz Morrie", die in diesem typischen Frankenwald-Weberhäuschen mit dem tief heruntergezogenen Strohdach bis Ende der siebziger Jahre lebte, die Marie, Witwe des Johann Peetz, der "des Heisla" anno 1918 von seinem Vater Johann geerbt hat. Ein sogenanntes "Trüpfhäuslein" in dem die sechsköpfige Webersfamilie genauso beengt ihr Dasein fristete wie die Generationen vor ihnen - "Trüpf" deshalb, weil bei diesem Haustyp die Regentropfen, die aus der hölzernen Dachrinne fielen, schon die Grenze des armseligen Besitzes andeuteten.


Tradition bewahren
Vor zwölf Jahren hat Edwin Greim, der heute mit seiner Frau in Hof wohnt, das Weberhäuschen von Kleinschwarzenbach, inzwischen ein Stadtteil von Helmbrechts, gekauft.

Der Nostalgie wegen? Oder weil sich mit ihm liebenswerte Erinnerungen an die Kindheit verbinden? Natürlich auch. Aber vor allem ging es dem 41-jährigen Diplom-Ingenieur für Vermessungswesen darum, ein Stück Tradition zu bewahren, eine architektonische Besonderheit zu erhalten. Denn das alte Weberhaus von Kleinschwarzenbach, vermutlich zu Beginn des 18. Jahrhunderts entstanden, verkörpert eine Hausform im "Nordwald", die mit einfachsten, naturgegebenen Mitteln eine äußerst bescheidene Existenz ermöglichte. Und es ist das einzige "private" im weiten Umkreis, das noch mit einem Strohdach ausgestattet ist.

So ein Strohdach hält, wie ein guter Schiefer, an die vierzig Jahre. Danach fängt es an zu verrotten, lässt den Regen durch und die Feuchtigkeit beschädigt Balken und Zimmerdecken. Der Lauf der Zeit, denn alles ist vergänglich.

Ein Dach neu zu decken, mit Schiefer oder mit Tonpfannen - kein Problem, höchstens eine Frage des Geldes. Doch ein Dach mit Stroh zu erneuern, so, wie es für die Altvorderen eine Selbstverständlichkeit war - das ist heutzutage weniger eine Sache des Geldbeutels, sondern des Könnens. Und eine interessante Geschichte. Und die sei jetzt erzählt.


Extra lang
Zunächst ging Greim auf die Suche nach Leuten, die dieses alte Handwerk noch beherrschen. Über das Bauernhofmuseum in Kleinlosnitz bei Münchberg kam er auf zwei betagte Herren, den Albin Itter und den Karl Zapf aus Großlosnitz, 83 und 73 Jahre alt. Die hatten bereits vor Jahren die Strohdächer des Museums mitgedeckt, und waren einverstanden, auch bei Greims Haus mit Hand anzulegen. Doch zuvor war es nötig, eine spezielle, extra lange Getreidesorte anzubauen. Dies geschah auf einem Feld unterhalb des Wartturms von Hof, das der Bauer Günther Schmidt aus Leimitz bei Hof dafür zur Verfügung stellte. Rund zwei Meter lang werden die Halme des sogenannten "Karlshulder Winterroggens", einer Roggenart, die es nur noch im Augsburger Raum gibt. Dann, im Juli dieses Jahres, stand die Ernte an.

Mit Maschinen? Unmöglich bei diesem langhalmigen Getreide. Früher mähte man mit einer speziellen Sensenart, volkstümlich "Wadeln" genannt. Und, Glück muß der Mensch haben, Greims Vater Gustav trieb noch zwei solcher ehrwürdigen Geräte in Kleinschwarzenbach auf. Doch weil das Hantieren mit einem "Wadel" recht schwierig ist, stellte ihr Besitzer, der Bauer Hans Wirth, seine Arbeitskraft ebenfalls zur Verfügung und mähte zusammen mit dem Helmbrechtser Albin Köbrich und Greims Vater das ganze Feld unterhalb des Wartturms, von wo man einen herrlichen Blick auf die Stadt an der Saale hat. Anschließend wurde das Getreide in der Scheune des Leimitzer Bauern Max Spitzbarth gelagert.

Dann, inzwischen war es Mitte August, waren aus der großen Tenne in Leimitz lange nicht gehörte Klänge zu hören. Ein gleichmäßiges "Klack-klack-klack" im Vierer- oder Sechser-Rythmus: die Leimitzer Landjugend hatte mit dem Dreschen begonnen! Ohne die Hilfe von Matthias Wendel, Ingrid Hick, Max Spitzbarth, Frank Hick und Reiner Markstein hätte es Edwin Greim nicht geschafft, weiß er inzwischen und ist ihnen überaus dankbar. Die Leimitzer Landjugend war es auch, die in Eigenarbeit acht Dreschflegel zusammenbaute, und die dann auch beim nachfolgenden Schabbinden, ebenfalls in Leimitz, kräftig mithalf.

Alte Technik
Schab nennt man die Doppelköpfe aus Stroh, die so mit Strohschnüren zusammengebunden werden müssen, dass sie eine gewisse Spannung bekommen. Und weil natürlich "kaaner g´wußt hod wie´s gieht!" traten erstmals Albin Ittner und Karl Zapf in Aktion, die diese alte Technik noch meisterhaft beherrschen. Sie machten es vor, die anderen Mitstreiter ließen sich´s lernen - auch Edwin Greim selbst weiß in Zukunft, wie man Schab bindet. Außerdem wurden, an Ort und Stelle, die schadhaften hölzernen Dachschindeln ausgebessert - Ehrensache für Greims Vater, den gelernten Zimmermann. Nach altem Muster, in sechs Arbeitsgängen, wurde hergerichtet und gehobelt - mit Holz vom Ströhlamüller im Frankenwald.

Dann endlich, am letzten Oktobersamstag in Kleinschwarzenbach, letzter Akt. Voraussetzung: Das Wetter muß mitspielen. Es spielt mit. Die beiden Großlosnitzer turnen auf dem Dach herum wie Junge, sitzen rittlings auf den alten Balken, pressen Schab an Schab dicht nebeneinander. Erinnern sich dabei an vergangene Zeiten, erzählen Erlebtes von früher. Es macht ihnen sichtlich Spaß, noch einmal, vielleicht das letzte Mal in ihrem Leben, ein Dach mit Stroh zu decken. Edwin Greim, sein Vater und sein Bruder Thomas erledigen, was drumherum zu tun ist.

Tags darauf, am Sonntag, pfeift ein Sturm und es gießt, was vom Himmel heruntergeht. Aber das alte Weberhäuschen von Kleinschwarzenbach ist unter Dach und Fach.

Franziska Hanel


Adresse

Weberhaus Kleinschwarzenbach
 Zum Weberhaus 10
95233 Helmbrechts

Öffnungszeiten

Nach Absprache
unter: 09281/2513